Das Theater- und Konzerthaus als Kulturort, Möglichkeitsraum und Gedächtnis der Stadt weiterentwickeln
Grundposition: Kultur sowie Brand- und Rettungswesen sind wesentliche Aufgaben kommunaler Daseinsvorsorge. Sie dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden, müssen aber wegen ihrer unterschiedlichen Ziele getrennt bewertet werden. Die Zukunft des Theaters entscheidet sich zuerst an Auftrag, Konzept, Programm und Teilhabe – erst danach an Beton und Stahl.
Vor jeder Bauentscheidung braucht Solingen einen verbindlichen kulturpolitischen Auftrag: Welche Programme, Kooperationen, Zielgruppen und Formen kultureller Bildung soll das Theater- und Konzerthaus künftig ermöglichen?
Das Zukunftskonzept von 2022 muss veröffentlicht, politisch beraten und gemeinsam mit Kulturschaffenden, Beschäftigten, Nutzergruppen und jungen Menschen aktualisiert werden. Erst daraus dürfen räumliche und technische Anforderungen abgeleitet werden.
Programm schafft Zukunft
Neue Zielgruppen gewinnt man nicht allein durch Architektur, sondern durch attraktive Programme, Beteiligung, Vermittlung und kontinuierliche Theaterpädagogik. Dafür braucht es dauerhaft Personal und Geld. Ein Neubau oder eine Generalsanierung würde über Jahrzehnte erhebliche Mittel für Zinsen und Tilgung binden. Diese Belastungen dürfen nicht zu Kürzungen im Kulturhaushalt führen – insbesondere nicht bei freien Kulturträgern, kultureller Bildung und dem Veranstaltungsprogramm. Ein neues Gebäude, das anschließend kein Geld mehr für Kultur lässt, verfehlt seinen Zweck.
Der Bestand bietet alle Möglichkeiten
Das bestehende Haus ermöglicht mit seinen Sälen, Bühnen und Foyers ein breites Angebot sowie parallele Veranstaltungen. Der geplante Neubau würde dagegen Bühne und Zuschauerplätze des Theaters reduzieren und weniger flexible Parallelnutzungen
ermöglichen. Durch Instandsetzung, LED-Technik und die Reaktivierung der Foyers kann das bestehende Haus zeitnah weiterentwickelt werden.
Kulturelles Gedächtnis bewahren
Die Grundsteinurkunde von 1960 bezeichnet das Haus als Stätte, in der sich Kunst „in Freiheit entfalten“ kann, und als „Zeugen unseres Kulturwillens“. Dieser demokratische und kulturelle Auftrag gilt bis heute.
Unsere Forderungen
- Zukunftskonzept aktualisieren – gemeinsam mit Stadtgesellschaft und Kulturszene.
- Erst den kulturellen Bedarf, dann bauliche Maßnahmen bestimmen.
- Mittel der Machbarkeitsstudie in Beteiligung, Programm und Bestand investieren.
- Das bestehende Haus instandhalten und weiterentwickeln.
- Kulturhaushalt, freie Träger und kulturelle Bildung vor Zins- und Tilgungslasten schützen.
Schlussfolgerung:
Zukunftsfähigkeit entsteht durch Programm, Teilhabe und flexible Räume – nicht durch ein Bauprojekt, das
den finanziellen Spielraum für Kultur dauerhaft einschränkt.
Konkrete Begründungen und weitere Informationen enthält unser Positionspapier TuK Kulturpolitik (Link)