Gründe, dagegen…

Die einen mögen sich auf eine Großwache der Solinger Berufsfeuerwehr freuen, die anderen fürchten den kulturellen Untergang in der Nordstadt. Ich habe Jahrzehnte im Theater und mit der Feuerwehr gearbeitet. Hier meine Gründe, die gegen einen neuen Kulturtempel und gegen eine Großfeuerwehrwache sprechen:

Uli Preuss, Solingen am 26.07.26

Rush Hour. Dann steht der Schlagbaum am Morgen wie ab 16 Uhr voller Fahrzeuge. Berufspendler, die selbst nicht ausweichen können und die geduldig auf die vierte oder fünfte Grünphase warten. Einen Ausweg gibt es bereits jetzt nicht. Wie sollte dann ein Einsatzfahrzeug der Feuerwehr aus der Wache herausfahren, ohne gleich im Stau zu stehen? Ein Löschzug, der zum Beispiel zu einem unbekannten Brand alarmiert wird, besteht aus mindestens drei dieser gewaltigen Einsatzfahrzeugen. Da hilft auch keine Rettungsgasse oder für die Wache die auf Grünphase geschalteten Einsatzfahrzeuge.

Bunker. Will man hier am Schlagbaum neu bauen, wird der gleich vor dem Theater liegende Bunker aus dem 2.Weltkrieg hinderlich sein. Nicht umsonst hat man den Betonbau bislang ignoriert, bzw. zugeschüttet, statt ihn zu entfernen.

8 Minuten-Regel. Es macht Sinn, das bei der komplizierten Solinger Topografie drei Wachen der Berufsfeuerwehr auf das Stadtgebiet verteilt sind. So ist gewährleistet, dass jeder Einsatzort innerstädtisch in höchstens acht Minuten erreicht wird. Die Feuerwehrleitung sieht das neuerdings anders, doch noch vor wenigen Jahren war die 8 Minuten Regel Gesetz bei der Feuerwehr. Mittlerweile pensionierte Wehrleute geben mir da bereits recht, wenn ich die 8 Minuten-Regel bei zwei Wachen im Stadtgebiet anzweifele.

Lautstarke Martinshörner neben Altenheim und Hotel? In anderen Stadtteilen wird gerade da um Ruhe gebeten, wo Altenheime und Hotels ihren Betrieb aufrecht erhalten wollen. Hier am Schlagbaum wäre das dass genaue Gegenteil. Auf der einen Seite neben der Bushaltestelle Richtung Innenstadt steht ein Altenheim, deren Bewohner jetzt schon unter der stark befahrenen Straße leiden. Auf der anderen Seite des Theaters steht Solingens derzeit erfolgreichstes Hotel. Feuerwehrfahrzeuge mit Sonderrechten stören da die Gäste erheblich.

Die Nordstadt leidet. Bislang haben wir einen intakten Kulturbetrieb in der Nordstadt gehabt. Die Nordstadt ist zurzeit mit Theater und Konzerthaus, Monkeys, Rollhaus, Mehrgenerationenhaus und Rathaus ein bedeutender Kultur- und Sozialstandort in der Innenstadt. Hinzu kommt die kleine Musikschule DaCapo, deren Schülerinnen und Schüler fernab von Martinshöhnern ungestört üben wollen. Wer auf der Burgstraße wohnt, sieht zudem die Massen an Besuchern, die ins Theater oder Konzert gehen und danach eines der Restaurants besuchen, die ohne das TuK um ihre Existenz bangen müssen. Die Nordstadt braucht den Kulturbetrieb. Wenn der verschwindet und/oder durch eine Feuerwache ersetzt wird, verschwindet die letzte Möglichkeit zwischenmenschlichem Miteinander in diesem eh gebeutelten Stadtteil.

Hotel/Seniorenheim. Stellen Sie sich vor, sie sind Gast des bestgehenden Hotels Solingens und wohnen neben einer Feuerwache. Dem Select-Hotel werden die Kunden weglaufen. Nicht mehr weglaufen können stattdessen die Bewohner des Seniorenheims am Theater. Die werden Martinshörner ertragen müssen.

18 Meter – Bühne. Ensemble aus ganz Deutschland schätzen die einzigartige Bühnentechnik, die tatsächlich in kaum einer anderen Großstadt so vorhanden ist wie bei uns in Solingen. Solche eine Bühne sucht ihresgleichen und wäre bei einem Neubau an anderer Stelle für die bislang veröffentlichten Baukosten ganz sicher nicht zu haben.

Immaterielles Kulturerbe der UNESCO gleich in sechs Bereichen, besonders die Akustik und die Klais-Orgel. Wussten Sie, dass von den immateriellen Kulturerben des UNESCO-Übereinkommens zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes allein sechs Kategorien im Bereich Musik und Darstellende Kunst im Solinger Theater- und Konzerthaus vertreten sind? Dazu gehört die außergewöhnliche Akustik im großen Konzertsaal. Die Klais-Orgel, ebenfalls im großen Saal des TuK, ist deutschlandweit bekannt, stammt aus dem Jahre 1965, ist mit 4009 Pfeifen, vier Manualen und 53 Registern ausgestattet. Sie wird bei einem Neubau kaum mit umziehen können. Die Konzertsaal-Orgel ist für ihre imposante Klangvielfalt bekannt und wird regelmäßig von renommierten Musikern gespielt. Erst vor wenigen Jahren wurde die riesige Orgel aufwendig gereinigt und überholt.

Langfristige Verträge mit den Bergischen Symphonikern. Die Bergischen Symphoniker, das kulturelle Zugpferd in Remscheid und Solingen, hat noch bis in die tiefen 2030er Jahre einen Vertrag, der es den Musikern im TuK ermöglicht, ungestört zu üben.

Fledermäuse: Es gibt 24 Fledermausarten in Deutschland, 11 davon leben im Bergischen Städtedreieck. Anwohner der Burgstraße erleben im oberen Teil gleich neben dem Theaterbau an jedem Sommerabend das Schauspiel, wenn Fledermäuse mit Einbruch der Dämmerung fliegen. Unterschlupf finden die heimischen Fledermausarten, von denen bis auf die Zwergfledermaus alle Arten auf der Roten Liste stehen unter Dächern und wie beim Theater- und Konzerthaus üblich, hinter Wandverkleidungen. Vor einem Abriss des TuK gilt es zu prüfen, inwieweit die unter Artenschutz stehenden Tiere hier ihr Zuhause gefunden haben. Die Untere Landschaftsbehörde ist unbedingt mit einzubeziehen.

Kurz: Die, durch erste Gutachten angenommenen Baukosten werden bei weitem nicht ausreichen, wenn alle oben erwähnten Argumente mit einfließen.

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